Dezentrale Vertrauensstrukturen durch lokales Engagement stärken

20 Jahre Praxis haben ein Verständnis von Marketing geprägt, dass Menschen, Gebäude, Broschüren und Plattformen anmalt und so ganze Gesellschaften zum kaufen bringt, aber weniger ihre Sehnsüchte nährt. Simon Sinek hat international mit dem Golden Circle und Michael Buttgereit im deutschen Umfeld mit dem Positionierungsdesign-Ansatz neue Wege gezeigt. Wege, die beim Punkt ansetzen, dass Menschen kaufen, weil sie glauben wieso ein*e Anbieter*in tut was sie/er tut und nicht was angeboten wird. Aufgrund dieses kleinen aber feinen Unterschieds können authentische, echte Positionierungen entwickelt und gestärkt werden.

Vom Malen zum echten Strahlen.

Dieser Ansatz setzt eine partizipative und kollaborative Haltung voraus, weil mit der Energie und Intuition von Menschen gearbeitet wird. Der individuelle Sinnbezug, der Tätigkeit und Wirkung des Einzelnen ist bedeutend und wird aktiviert. Dabei gilt es das Vertrauen des Einzelnen zu wecken, dass sie/er intuitive Erfahrungsmuster einbringt und teilt. Dabei wird der höhere Zweck eines Kollektivs (Team, Organisation, etc.) gestärkt. Ein kollektiver Sinn (höherer Zweck) nennen wir heute einen Purpose. Auf diesem Weg wird der Purpose aktiviert und (vor)gelebt. Ein Kollektiv kommt vom Malen zum Strahlen.

Dieser ist höher und grösser als das persönliche Ego und bedingt eine innere Entwicklung, sodass Menschen diesem höheren Zweck dienen können. Es geht über die Karriere hinaus, weil das Individuum als Mensch dient, wie es viele religiöse Figuren (Jesus, Buddha, etc.) bereits vor hunderten oder gar tausenden von Jahren zeigten. Wenn wir die Herausforderungen dieser Zeit lösen wollen, brauchen wir die konsequente Ausrichtung unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten auf diese höhere Zwecke. Deshalb sprechen wir als Gesellschaft in Medien und persönlich zunehmend von Sinnstiftung. Dort beginnt das Lebendige. An der internationalen Alumnikonferenz 2017 der Universität St. Gallen in Davos durfte Remo Rusca ein Gespräch zwischen Bodo Janssen und Heike Bruch moderieren. In der ersten Reihe sass ein Industrieller, er meinte: „Bodo was Du mir sagen willst ist, dass ich mich selber ändern soll“. Darauf mussten weder die Panelisten noch ich eine Antwort geben. Wenn wir den kollektiven Purpose ernsthaft in Leben und Wirtschaften integrieren, ist die Grundlage für Veränderung gelegt. Deshalb ist Veränderung in Organisationen nie Selbstzweck, sie beginnt bei der Entwicklung der Menschen und am Besten bei den Führungskräften. Das lädt ein. Nichts ist kraftvoller für Entwicklung als eine verlässliche Einladung.

Bild Credits: Joris Voeten, Unsplash

 

Persönliche Reise von Remo Rusca, rund um die Begriffe Sinn und Purpose

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Kultur (alle drei Sprachkulturen der Schweiz, Musik u.a.m.) verwurzelt ist, aber ich nicht immer gleich ausgelebt habe. So habe ich als Teenager mit der Unterstützung des Gemeindepräsidenten an der Gemeindeversammlung als 17-jähriger finanzielle Unterstützung erhalten, um eine Kulturfabrik mit Namen „SEE LA VIE“, weil die Gemeinde am Zürichsee liegt, mit Mitstreitern aufzubauen. Unbewusst habe ich bereits dazumal eine Kulturbotschaft verkündet und zwar „Kultur ist Leben“. Lebendige Strukturen brauchen Kultur.

Die Kulturfabrik ist auch heute noch aktiv, einfach mit einem neuen Konzept. Auch habe ich dazumal die Kulturbotschaft ins lokale Jugendparlament, das ich mitgeprägt habe, und als aktives OK-Mitglied in die kantonale und nationale Jugendsession getragen.

Seither ist viel gelaufen: Ich habe mir unbewusst eine mir passende, aber auch normierte Maske angezogen. Gesundheitlich und persönlich habe ich dafür einen hohen Preis bezahlt. Aus herzzerreissenden und gesundheitlichen Krisen lernte ich ganz tief dazu. Seit Ende 2015 habe ich viel gelernt, dass ich heute mit meinem ausgeprägten Talent für’s Vernetzen und kreative Entwickeln von Projekten auch beruflich weiter gebe. Als Mensch sind mir meine Beziehungen wichtig, egal wie schmerzlich diese mal gewesen sind. Jede Beziehung ist entwicklungsfähig, wie es auch das kollektiv ist. Wir brauchen aber wieder den Mut in offene, sichere und gemeinschaftliche Gruppen einzutauchen und Konflikte als Chance für Entwicklung zu sehen. Dafür brauchen wir das Fühlen im Führen.

Im Buch „Heart Work Works“ habe ich ein Interview zum Thema Mut gegeben.